Das apostolische Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

Das apostolische Glaubensbekenntnis ist eine „Kurzformel des Glaubens“. Sie geht auf das erste Glaubensbekenntnis der Kirche zurück, das im Jahr 325 auf dem Konzil von Nizäa formuliert wurde. An Sonntagen und hohen Festen spricht die versammelte Gemeinde diesen Text – oder singt ein Glaubenslied, das seinen Inhalt aufgreift.

Der Glauben jedes Menschen ist von persönlichen Erfahrungen mit Gott, von meiner eigenen Geschichte mit Gott geprägt. Viele solcher Erfahrungen lassen sich nur schwer in Worte fassen. Doch es gibt auch eine gemeinsame Geschichte der Menschen mit Gott: die Geschichte des „alten Gottesvolkes“ Israel und des „neuen Gottesvolkes“, der Kirche Jesu Christi. In den Texten der Bibel wurden solche Erfahrungen mit Gott in Sprache „gegossen“. In einem langen Prozess des Suchens und Fragens hat die Kirche eine Sprachregelung gefunden, die die entscheidenden Gemeinsamkeiten der christlichen Gotteserfahrung zur Sprache bringt.

  • Das Apostolische Glaubensbekenntnis geht dabei vom jüdischen Bekenntnis aus, das Gott Schöpfer und Herr des Lebens ist. Weil so viele Menschen diese Erfahrung über Jahrtausende miteinander teilen, ist sie in wenigen knappen Worten zusammengefasst.
  • Besonders spannend ist der mittlere Teil des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, in dem es um Jesus Christus geht. Es war der christlichen Kirche wichtig, die Rolle Jesu in der Geschichte Gottes mit uns Menschen zu umreißen: Er ist Mensch geworden wie wir, geboren von der Jungfrau Maria. Aber Jesus ist mehr als nur Mensch: Wer von seiner Auferweckung auf seine Geburt zurückblickt, kann nur sagen: In Ihm hat von Beginn seiner Lebensgeschichte – also vom Moment seiner Empfängnis - an, Gott gewirkt durch seinen Heiligen Geist. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis finden sich keine Details aus dem Leben Jesu – nur solche, die mit seinem Tod zu tun haben. Jesus wurde, und dies ist historisch belegt, vom römischen Statthalter Pontius Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt. Und dieses Urteil ist vollstreckt worden: Jesus ist einen menschlichen Tod gestorben und wurde begraben. Das Glaubensbekenntnis verstärkt dies mit einem Bild aus der Vorstellungswelt der Antike: Er ist hinabgestiegen in die „Unterwelt“, in das Reich des Todes. Erst dann macht das nun folgende Bekenntnis Sinn: Er ist am dritten Tage auferstanden von den Toten. Das Wort „auferstanden“ (egerthä) bedeutet in der griechischen Sprache: „Er ist auferweckt worden“. Das heißt: Gott hat Jesus auferweckt, ihm ein neues Leben geschenkt! Derselbe Jesus, von dem die Bibel berichtet: er ist seinen Jüngern mehrmals nach seinem Tod erschienen, ist nun „aufgefahren in den Himmel“ – ein anderes Wort für die Welt Gottes - und „sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“: Wer zur Rechten Gottes sitzt, hat Macht in Gottes neuer Welt: Jesus Christus wird einmal der Maßstab für unser Leben, für unser Tun und Lassen sein, wenn wir Gott begegnen. Und derselbe Jesus Christus ist es, der die Welt neu macht und vollendet, wenn er am Ende der Zeiten wieder kommt.
  • Im dritten Abschnitt des Glaubensbekenntnisses werden zentrale Glaubenserfahrungen stichwortartig benannt: Die Erfahrung des Heiligen Geistes, der in und durch alle wirkt, die sich dem auferstandenen Herrn und seiner Botschaft öffnen. Die Erfahrung der weltumspannenden, konfessionsübergreifenden Gemeinschaft aller Glaubenden, die das Wort katholische – oder umfassende - Kirche benennt. Dann das Vertrauen darauf, dass Gott in Jesus Christus und durch den Dienst der Apostel allen Menschen ihre Sünde, also ihre Schuld vor Gott, vergibt. Schließlich die große Hoffnung auf die Auferstehung der Toten und das ewige Leben in Gottes neuer Welt.
  • Mit dem Wort „Amen“ – wörtlich: so sei es - kommt zum Ausdruck: Ja, das glaube ich! Darauf vertraue ich! Das ist meine Hoffnung!

Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist nicht nur der zentrale Text, der Christen aller Konfessionen miteinander verbindet. Es ist auch ein Text, der immer neu übersetzt werden muss: in meine Sprache, in meine Kultur und in meine Lebenswelt. Es fordert mich zu einer persönlichen Interpretation heraus – nicht nur mit meinen eigenen Worten, sondern vor allem durch mein Handeln. Ich bin als Zeugin und Zeuge dieses Jesus Christus gerufen, dem Glauben der Kirche ein Gesicht zu geben!

© 2016 Pastor Marc Stücker

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